A CURATORIAL WORK: Ausstellungskonzept und Design

Klasse für REDAKTIONELLES GESTALTEN

Rundgang der Kunsthochschule Kassel 2018

 

In Zusammenarbeit mit Karoline Achilles (Gestalterin/Illustratorin)

Redaktionelles Gestalten und Wissensvermittlung im drei-dimensionalen Raum

 

Als Meisterschülerin habe ich die Möglichkeit bekommen, die Ausstellung der Klasse für Redaktionelles Gestalten der Kunsthochschule Kassel zu kuratieren. Ausgangspunkt war ein zweitägiger Intensiv-Workshop mit der Kuratorin Anja Lückenkemper (Göttinger Kunstverein 2016-18).

 

Das Besondere dieser kuratorischen Arbeit war, dass es sich nicht um eine Kunstausstellung handelte, sondern um das Zeigen und Vermitteln von redaktionell gestalteten Inhalten, die ihre Form in unterschiedlichen Medien wie Publikationen, Plakate, Filmen oder einer Corporate Identity fanden. Dabei sollten nicht nur die Endprodukte gezeigt werden, sondern der Fokus lag auf dem Sichtbarmachen von Arbeitsschritten, Entscheidungsprozessen und Kommunikation mit Kunden oder Kolleg/innen.

 

„Redaktionelles Gestalten in der Visuellen Kommunikation bietet einen Arbeitsbereich, in welchem wir, die Lehrenden und Studierenden gemeinsam Themen intellektuell und formal erforschen, editieren und kuratieren. Der Arbeitsbereich hat den Anspruch visuelle Autor/innen auszubilden, sie zu befähigen eigene Ideen und Vorstellungen zu verschiedensten Themen in verschiedenen Medien gestalterisch umzusetzen.“ 

(Karoline Achilles)

 

So kommen in der Klasse Grafik-, Editorial- und Webdesign, Film und Fotografie, Illustration und Textarbeit zusammen. In der Ausstellung wurden Arbeiten gezeigt, die in den letzten zwei Semestern entstanden sind: Individuelle, freie Projekte der Studierenden, Auftragsarbeiten, welche oftmals durch das Studio Redaktionelles Gestaltenvermittelt werden und zwei Semesterprojekte, welche sich mit der Vermittlung und Designtheorie befassten.

 

Die gestalterische Identity dieser zwei Semesterprojekte, sowie die Studio-Arbeitsatmosphäre waren ausschlaggebend für das Ausstellungskonzept.

 

Im Semsterprojekt WE #transfer entstand ein zweiwöchiger Workshop sowie eine Publikation, womit den Studierenden der Basisklasse Visuelle Kommunikation, das Redaktionelle Gestalten nähergebracht werden sollte. 

 

Im Semesterprojekt READ, WRITE, SHOW wurden verschiedene soziologische, philosophische und Design-Theorien gelesen, eigene Essays dazu geschrieben und diese neugestaltet und publiziert. Parallel dazu entstanden Kurztrailer zu den gelesenen Büchern.

 

Diese Projekte wurden für die Ausstellung auf die drei Seminarräume der Klasse verteilt. Das Gestaltungsbild der jeweiligen Projekte wurde ins Räumliche übersetzt und der Titel groß an die Wände gebracht. Als Ausstellung-Displays, die sich durch die drei Räume zogen, dekonstruierten wir Tische der Hochschule: Die Sperrholzplatten lehnten an oder lagen auf den rechteckigen Tischgestellen, und bildeten so luftige Strukturen, auf denen sich die Ausstellungsstücke verteilten: Plakate, Publikationen, Monitore und Druckbahnen.

 

So wurde der Raum des Projektes WE #transfer zu einem „Think-tank“ in dem nur der Schriftzug „WE #transfer – wir haben da was für euch“ die Wände bedeckte. 

Auf einer Sperrholzplatte auf dem Boden lagen kopierte Einzelseiten aus der Publikation zum Mitnehmen bereit. Auf breiten Papierbahnen, die sich über den Boden zogen, wurden die Arbeitsprozesse und Herangehensweisen der Workshops durch gestaltete Texte anschaulich vermittelt.

 

Im zweiten Raum, wurden die Besucher/innen von dem Schriftzug „READ, WRITE, SHOW“ empfangen. Zwei große Videoprojektionen standen sich gegenüber: Die Buch-Trailer, dessen Sound leise im Raum zu hören war, und ein Video in dem die neugestaltete Publikation langsam durchgeblättert wurde. 40 Exemplare der Publikation lagen zum Verkauf auf dem Tisch-Display zwischen den Projektionen. Auch hier hingen drei Papierbahnen mit Projektbeschreibungstexten lose über den Tischgestellen.

 

Die freien Projekte wurden im selben Raum gezeigt. Drei demontierte Tische bildeten ein dynamisches Display, welches frei im Raum stand. Mehrere Plakate, zwei Publikationen und eine Projektbeschreibung hingen und lagen lose darauf. Eine Tischplatte lehnte an der Wand und diente als Display für zwei weitere Plakate. Auf zwei Monitoren wurde ein Videospiel gezeigt.

Das Studio Redaktionelles Gestalten, welches im dritten Raum ausgestellt wurde, sollte eine vielschichtige und prozesshafte Arbeitsatmosphäre vermitteln. Unterschiedlich hohe und breite Tische standen zu Gruppen zusammen und bildeten eine Ansammlung von Arbeitsflächen. Über diesen Flächen hingen und lagen Plakate in unterschiedlichen Größen, als Originale oder als Druckbahnen. Auch Druckbahnen mit Seitenansichten einer Publikation, ein E-Mailverlauf, ein Gestaltungshandbuch, ein Druckbogen mit gestalteten Etiketten wurden gezeigt. Mehrere Gestaltungsentwürfe des diesjährigen Rundgangs-Plakat bedeckten die Treppe bis sie mit dem endgültigen Plakat auf der Fensterfront endeten. 

 

Der Raum wurde durch Jalousien verdunkelt und nur durch einzelne Spotlights beleuchtet: Die Präsentation eines Gestaltungsentwurfes, sowie eine Projektdokumentation wurden als Projektion bzw. auf einem Bildschirm gezeigt. Dazu wurden mehrere Bürolampen auf Plakate und Publikationen gerichtet.

 

Zur Orientierung in den Ausstellungsräumen wurde jedes Projekt mit einen „Notizzettel“ vermerkt, der über Titel, Autor/in und Inhalt des Projekts informierte. Die Zettel hingen oder lagen wie beiläufig neben den Arbeiten und verloren, durch eine pastellige Farbe und Trapezform an Strenge.

 

In den zweiten Ausstellungsraum wurde die Bar der Klasse, durch eine zurückhaltende Gestaltung in das Ausstellungskonzept integriert. Mit dem Verkauf von verschiedenen Kaffee-Getränken und Cocktails konnten viele Besucher/innen in die Ausstellung gelockt werden.

 

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http://klassegoetz.de/index.html

 

K.Seemann, 2018